Weihnachten

Weihnachten ist das Fest der Liebe.
So war es gedacht und so wurde es lange gemacht.
Ich erinnere mich mit Freuden daran.
An den Abend, an dem das Christkindli kam.
Die Tür zum Wohnzimmer war für uns tabu.
Wir sassen in unseren Zimmern und fanden keine Ruh.
Gespannt lauschten wir den Geräuschen dort.
Bloss nichts verpassen, zur rechten Zeit am rechten Ort.

Irgendwann klingelte ein helles Glöcklein.
Wir huschten in die Stube, auf unseren Söcklein.
Da stand er dann, der Weihnachtsbaum.
Und leuchtete, es war ein Traum.
Geschenke gab es auch bei uns daheim, na klar.
Immer waren es Dinge, nützlich und unkaputtbar.

Und jetzt, steh ich so da, beobachte das Treiben.
Sehe Kindergesichter an Schaufensterscheiben.
Dies darf es sein, das bitte auch
und dann noch was Kleines obendrauf.
Menschen rennen gehetzt durch den Tag.
Alles erledigen, besorgen, kaufen auf einen Schlag.
Der Weihachtsbaum soll gross und mächtig sein.
Die Geschenke zahlreich und sicher nicht klein.

Es geht hü und hott, vorwärts, marsch flott.
Keine Zeit für einen gemächlichen Trott.
Man ist gereizt und von Reiz überflutet.
Es blinkt und leuchtet, es funkelt und tutet.
Und dann ist es da, das Fest der Liebe und des Ruhens.
Manch einer am Arsch und ziemlich neben den Schuhen.
Heute da, morgen dort, jeden Tag an einem anderen Essen.
Warum man es tut, hat manch einer vergessen.

Ich sitze so da und beobachte das Treiben.
Mag es, in meinem kleinen Kreise zu bleiben.
Denn Weihnachtszeit ist das Fest der Liebe.
Und da wünsch ich mir, dass es immer so bliebe.
Nicht die Geschenke, der Baum im Mittelpunkt.
Ein bisschen weniger von all dem Prunk.
Und dafür wieder mehr von echter Aufmerksamkeit.
Verteilt aufs ganze Jahr und nicht nur bei einer Gelegenheit.