Das Leben kleben

Hin und wieder muss man das. Das Leben kleben. Dann, wenn es ein paar Risse bekommen hat. Oder Dellen. Oft hilft Duck Tape. Damit lässt sich fast alles flicken. Aber nicht immer. Wenn «nicht immer» der Fall ist, dann braucht es gute Freunde. Eine liebe Umarmung oder einen Moment, in dem die Sonne den Horizont küsst und den Himmel zum Erröten bringt. Dann ist das Leben ganz schnell wieder bepanthengut. Man sieht den Riss noch ein kleines Bisschen. Aber weh tut er nicht mehr.

Es gibt aber auch die Momente, in denen der Riss zu einem Graben wird. Momente, in denen man gelebt wird, anstatt selbst zu leben. Man verwirft verzweifelt die Hände und stampft trotzig auf. Nein, das ändert nichts an der Tatsache. Hilft aber kurzfristig gegen das Ohnmachtsgefühl. Ohnmächtig habe ich mich gefühlt, während der Monate, in denen ich eine neue Wohnung gesucht habe. Neue Wohnung? Ja. Ich bin vor einem Jahr umgezogen. Stimmt. Was mir beim Einzug nicht bewusst war: Im Sommer verwandelt sich mein Daheim in ein Tropenhaus. Warm und feucht. Würde ich eine Karriere als Pilzzüchterin in Betracht ziehen, à la bonheur. Davon bin ich aber weit entfernt. Also habe ich den ganzen letzten Sommer in Begleitung von Fred verbracht. Fred, so heisst mein Luftentfeuchter. Er hat einen Namen bekommen, weil wir in den Monaten eine innige Beziehung entwickelt haben. Täglich zweimal die vollen Windeln gewechselt und dafür gesorgt, dass er zur rechten Zeit mit seiner Arbeit beginnt. Mein Gang zu Fred war das erste, was ich tat, wenn ich heimkam. Da ich mir durchwegs eine prickelndere Beziehung vorstellen kann, als die zu einem Luftentfeuchter, suchte ich kurz nach meinem Einzug wieder eine neue Wohnung. Meine Ansprüche? Hell, mindestens zwei Zimmer, Badewanne, Balkon, bezahlbar. Das wars dann auch schon. Die Suche hat gedauert. Ok, ich war auch nicht immer gleich intensiv unterwegs.

Aber, irgendwann hatte ich echt das Gefühl, auf dem Pfad der Unmöglichkeit zu wandern. Wohnungssuche in Luzern und Umgebung – das ist echt ein Ultralauf. Nix mit Kurzstrecke und mal eben vorbeigehen. Ne du, langer Atem und gute Argumente. Warum gute Argumente? «Ach, Sie sind selbständig? Haben Sie jemanden, der für Sie bürgt? Ist es denn wenigstens eine GmbH? Ja, dann bräuchten wir aber Ihre Bankauszüge und einen Vermögensnachweis. Und ein Partner, ist da jemand, der die Wohnungsmiete mitfinanziert?» Das sind noch die harmlosen Fragen und Absagen. Ganz schön fand ich diejenige mit «Sie sind selbständig und haben ein Auto.» Herrgott, als ob es ein Verbrechen ist, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und gerne mobil zu sein. Manchmal hätt ich einfach drauflosheulen können. Muss ich mich jetzt wirklich anstellen lassen, damit ich als Mieterin solvent bin? In welchem Jahrhundert leben wir denn? Das hab ich mich oft gefragt. Die Wohnungssuche hat einen Krater in mein Lebensbild gerissen. Ehrlich! Irgendwann tauchte dann auch der Gedanke auf: Soll ich einfach dableiben, wo ich bin? Und jeden Sommer mit Fred verbringen? Viele haben einen Urlaubsflirt. Meiner wäre dann einfach immer der gleiche. Bloss, wie fühlt sich das an? In etwa so, wie wenn man mit jemandem in einer Beziehung ist und eigentlich weiss, dass es nicht passt. Dann kommen aber wieder gute Monate – die hatten meine Wohnung und ich im Winter, weil da geheizt wird – und man glaubt, dass man es hinkriegt. Auf die Guten folgen wieder weniger lustige. Da bekommt man wieder glasklar vorgeführt, warum das eben doch nicht passt. Also bin ich drangeblieben, an der Suche. Und es hat sich gelohnt. Den Urlaubsflirt mit Fred darf ich den Sommer über noch geniessen. Aber auf den Herbst, da bekomme ich eine neue Liebe. Und die hält was sie verspricht. Ganz ohne Ducktape-kleben.

Ist mein Leben eine Ferieninsel?

Überfüllte Strassen, ein Stehplatz im Zug. Menschen, die hektisch durch die Gaseen rennen. Jeder den Blick auf sein Smartphone gesenkt. Ohne Augen und Herz geöffnet zu haben, für die wunderbare Schönheit, von der sie umgeben sind. Ist das die Art, wie ein Arbeitstag beginnen sollte? Ich meine «Nein!» Continue reading

Stotzigen Firsten oder trotziger Firsten?

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Welche Tour bietet sich an, wenn die Lawinenstufe auf 3 ist? Mir fällt spontan der Stotzigen Firsten ein. Ein Tourenklassiker, der auch bei schwierigen Verhältnissen gut machbar ist: Gipfelbuch, der Tourenführer und die Karte mit den Hangneigungen helfen beim Entscheid. … Continue reading

Du bist wundervoll.

Photo by Morgan Sessions on Unsplash

Du bist es wert, dass du dir selbst die Krone auf den Kopf setzt und an dich glaubst.
Du bist stark und mutig, selbständig und wunderschön.
Du bist einzigartig auf dieser Welt.
Du bist autark und gehst deinen ganz eigenen Weg.
Du stehst zu dir selbst, auch wenn der Wind in die andere Richtung bläst.
Du kannst toben und weinen, lachen und tanzen.
Du stehst hin und sagst: Ich weiss nicht weiter.
Du rappelst dich auf und stellst fest: Irgendwie geht es doch.
Du spendest Trost, wenn jemand ihn braucht.
Du freust dich mit, wenn andere etwas zu feiern haben.
Du reflektierst dich jeden Tag und hinterfragst dein Tun.
Du willst ein Leben leben, das dir entspricht.
Nicht eines, das die Gesellschaft von dir erwartet.
Du bist Frau, Heldin, Abenteurerin, Freundin, Gefährtin.
All das und noch viel mehr vereinst du in dir.

Und doch …
Bist du selbst dein schärfster Kritiker.
Bist du selbst dein grösster Richter.
Stehst du oft da und hast das Gefühl, du bist nicht genug.
Glaubst du, dass es noch dieses und jenes Zertifikat braucht.
Damit du tun kannst, was du tun möchtest.
Bist du voller Zweifel und siehst nicht, was du alles schon geschafft hast.
Siehst du Mängel, wo andere schon lange ihre Medaille abholen würden.
Treibst du dich an, noch mehr zu tun und noch besser zu werden.

Dabei …
Hast du alles in dir, was du brauchst.
Du bist fantastisch, grossartig und so vieles mehr.
Du bist die Muse, nach der du suchst.
Mit deiner Art, mit deinem Wesen, mit deinem Sein.
Du bist die Quelle deiner Ideen und Träume.
Denk immer daran: Du bist die Königin in deinem Reich.
Heute. Morgen. Immer.

Vier Tage im Himmel auf Erden – Kesch Trek

Vier Tage Natur, vier Tage Weite, vier Tage Berge. Kleine Bächlein, die munter durch Felslandschaften gurgeln. Aus dem Nichts auftauchen und genau so unverhofft wieder verschwinden. Erste Schneefelder und Murmeltiere, die wohl schon zu vollgefressen sind, um das Weite zu suchen, wenn Mensch auftaucht. Übernachtungen in drei tollen SAC Hütten und… das alles mit fünf-Sterne-Bewirtung. Waren wir doch weit und breit die einzigen Menschen unterwegs. Das der Kesch Trek in Kürze. Continue reading

Phoneless

Was ist Heimat? Wo ist Heimat? Ist Heimat an einen Ort gebunden? An Menschen? Oder trägt man die Heimat im Herzen? Was veranlasst Menschen, ihre Heimat zu verlassen und in einem anderen Teil der Welt ein «neues» Leben auf die Beine zu stellen?

«Neu» schreibe ich darum in Anführungszeichen, weil es ja nie komplett neu ist. Sich selber nimmt man mit. Continue reading

Dem Leben einen Wert geben

Ein schwerstbehindertes Kind knallt in mein Leben wie ein Meteorit. Es strahlt heller, als alle Lichter einer grossen Sadt bei Dunkelheit. Funkelnder, als alle Sterne, die gemeinsam den Himmel schmücken. Das Mädchen taucht die Welt in ein seeliges Licht und lässt mich glauben, dass demnächst Engel vom Himmel steigen, Cherubim und Seraphim – mich mit ihren Flügeln sanft umschliessen.  Continue reading