Es ist ok, Angst zu spüren

Du atmest flach, stossweise. Dein Puls rast und dein Herz klopft wie wild und scheint demnächst komplett aus dem Takt zu geraten. Gleichzeitig spannt sich ein eiserner Ring um deinen Brustkorb und droht dich zu erdrücken. Flackernder Blick, schweissnasse Hände. Tausend Gedanken, die dich blockieren und der Boden tut sich auf. Dein Denken wird irrational, unsachlich, zwingt dich in die Knie und lässt dich erstarren.  Continue reading

Er … warten

Manchmal, da erweist man Menschen einen Dienst, tut ihnen einen Gefallen. Unterstützt sie in einer schwierigen Situation oder öffnet Tür und Tor für lukrative Geschäfte. Das tut man, weil man will. Sei es im Privaten oder im Beruflichen. Ich gehör auch zu den Menschen, die unglaublich gerne Türen öffnen. Und ungeheuer gerne geben. Diese Weltretter-Mentalität hockt irgendwie in meinen Genen. Dabei bin ich weder berechnend noch tue ich etwas, weil ich eine Gegenleistung dafür erwarte. Sondern schlicht und einfach, weil ich will. Eigentlich … Continue reading

Heute bin ich kein Freeclimber

Ich schau mir oft und gerne YouTube-Filme passionierter Kletterer an. Wie sie an einem Finger am Abgrund hängen und es dabei noch schaffen, in die Kamera zu grinsen. Wie sie behände und flink, einen Zug nach dem anderen, die Felswände erklimmen. Mich begeistert die Wendigkeit, die mentale Stärke, der Fokus, das unglaubliche Körpergefühl, das solche Menschen in sich tragen. Es fasziniert mich, wozu ein Mensch fähig ist, wenn er wirklich will. Grenzen setzt man sich im Kopf, heisst es… Continue reading

Wetterwechsel

Eine Dame in meinem Alter. Die Haare etwas zu sehr blondiert. Die dunklen Augenbrauen stehen wie Gewitterwolken über ihren warmen braunen Augen. Der Lippenstift harmoniert mit der Farbe ihrer knallpinken Arbeitsbluse und macht das Barbie-Klischee perfekt. Noch bevor ich meine Füsse und schweissnassen Hände richtig auf dem Zahnarztstuhl drapiert habe, ist mein Urteil beschlossene Sache. Ich lese den Namen auf dem Schild und höre das leicht akzentuierte Deutsch – und meine ach so grossherzige Gesinnung verschwindet im Dickicht der Instrumente, die da bedrohlich auf ihren Einsatz warten. Continue reading

Unterwegs

Unterwegs – das bin ich gerne. Mein erster Gedanke heute in der Früh. Ich sitz da, schlürfe meinen Kaffee und frage mich, warum wir «unterwegs» sagen. Müsste es nicht «überwegs» heissen oder «aufwegs». Denn, unter gehen wir selten bis gar nie. Obwohl es sich vielleicht hin und wieder so anfühlt als ob… Am Ende des Tages gehen wir auf dem Weg oder über den Weg. Unter den Weg schaffen es Menschen, die unter Tag arbeiten – im Kohlewerk, in einer Miene, im Tunnelbau.

Wie komm ich überhaupt dazu, gleich nach dem Aufstehen gedanklich bereits wieder unterwegs zu sein. Die Antwort ist simpel. Man hat mich auf den Namen meines Blogs angesprochen. «Bergzicke». Und teilte mir mit, dass ich ihm, dem Blog, vielleicht einen total falschen Namen gegeben hätte… Die «Zicke» nach dem Berg verleitet zu dieser Aussage. Ich fühle mich – franchement – etwas gebauchpinselt, dass man mich nicht so wahrnimmt. Warum «Zicke»? Nun gut, zum einen nannte man die Ziege früher wirklich Zicke. Und die Vierbeiner sind geländegängig und meistens draussen unterwegs. Da sind schon Parallelen auszumachen. Zum anderen aber auch, weil ich nicht ausschliesslich gut gelaunt, freudig, humorvoll und charmant durchs Leben gehe. Ich habe meine dunklen Momente. In denen ich mich verliere, schlechte Laune habe, gereizt, rastlos und ruhelos bin. Und wenn mir dann jemand auf die Pelle rückt, dann wird auch aus mir eine Zicke. Ist das schlecht, verwerflich? Oder schlicht und einfach menschlich? Hin und wieder entgleisen mir die Gesichtszüge und auch die Worte. Dabei werde ich nicht ausfällig oder gemein. Wie sagt man so schön «C’est le ton qui fait la musique». Ich wechsle dann halt in eine disharmonische Tonlage. Eine Eigenheit, auf die ich nicht sonderlich stolz bin. Ich finde es nicht lässig, wenn ich mal wieder PMS-mässig durch die Gegend donnere. (Nein, das M ist kein Schreibfehler. Zumindest die Damen unter euch wissen, wovon ich schreibe.) Und trotzdem, gehört auch dieser Teil zu mir. Vielleicht kann man das so sehen: Die Geige allein mag für viele kein Genuss sein. Ist sie jedoch Teil eines Orchesters, wird in eine Komposition eingebettet und trägt dazu bei, dass aus einzelnen Fragmenten das Grosse Ganze wird, dann will man nicht auf ihren Klang verzichten. Soll ich aus der Zicke jetzt eine Geige machen?

Freunde

Sie lachen mit mir, hemmungslos und grundlos.
Sie können entspannt schweigen und damit mehr sagen, als Worte es manchmal vermögen.
Sie nehmen mich in den Arm und geben mir Geborgenheit.
Sie rücken mir den Kopf zurecht, wenn ich ihn verloren habe.
Sie sind kritisch, ohne mich zurechtzuweisen.
Sie geben mir einen liebevollen Arschtritt, wenn ich selber nicht vom Fleck komme.
Sie kratzen mich vom Pflaster, wenn ich geplättet am Boden liege.
Sie setzen mich Stück für Stück wieder zusammen, wenn ich mich selbst demontiert habe.
Sie hören sich tausend Mal die gleiche Story an und sind noch immer nicht gelangweilt.
Sie lachen lauthals über meine Witze, wenn sonst niemand lacht.
Sie nehmen mich einfach, so wie ich bin.
Sie akzeptieren meine Schwächen besser, als ich es manchmal kann.
Sie freuen sich über meine Erfolge nachhaltiger, als es mir ab und an gelingt.
Sie reichen mir das Taschentuch, wenn ich Rotz und Wasser heule.
Sie stellen mir die richtigen Fragen, ohne mich zu hinterfragen.
Sie lachen mit mir gemeinsam über mich, ohne sich lustig zu machen.
Sie wertschätzen mich, ohne dass ich etwas dafür leisten muss.
Sie freuen sich über meine Gesellschaft, einfach weil ich ich bin.
Sie haben eine eigene Meinung und akzeptieren die Meine.
Sie führen ihr Leben und lassen mich meines leben.
Sie sind da, auch wenn ich sie manchmal wochenlang nicht sehe.
Sie akzeptieren meine Entscheidungen, auch wenn sie sie nicht verstehen.
Sie lieben mich, ohne Bedingungen zu stellen.

Ich bin unendlich dankbar, dass sie da sind. Dass sie mich begleiten.
Auf meinem Weg, mir selber mein bester Freund zu sein.

Was bleibt, wenn du gehst?

Jede Liebe die endet, ist wie ein kleiner Tod. Manche sterben diesen Tod nur einmal in ihrem Leben, weil sie entweder die eine, grosse Liebe gefunden haben – was ich für jedes Paar hoffe, das Seite an Seite lebt. Oder, weil sie zu bequem sind, um aus einem unbequemen Leben auszusteigen – was vermutlich häufiger der Fall ist, als man sich wünscht. Andere hingegen sterben mehrmals. Manchmal theatralisch, manchmal still und leise. Man sollte meinen, mit den Jahren etwas gelassener, ruhiger, abgeklärter zu werden, wenn es um Liebesdinge geht. Doch, unterm Strich bleibt das Drama das Gleiche. Man zerpflückt. Jedes. Einzelne. Detail. In Fragmente. In Millimeterarbeit.  Continue reading

Pures Leben

Manchmal liegst du mit der Fresse im Dreck am Boden.
Manchmal weißt du nicht mehr, wie du weitertun sollst.
Manchmal fühlst du dich leer und trostlos.
Manchmal scheint dein Herz zu zerbrechen.
Manchmal ist der Himmel voller Wolken.
Manchmal findest du alles trostlos.
Manchmal glaubst du, nie mehr lieben zu können.
Manchmal denkst du, nie mehr Nähe zuzulassen, sei das Rezept, um nicht mehr verletzt zu werden.
Und dann… braucht es einen einzigen Moment, der all das für einen Augenblick in den Schatten stellt.
Dieser eine Moment, der dich wieder an das Leben glauben lässt.
Dieser eine Moment, in dem dir Freudentränen in die Augen schiessen.
Dieser eine Moment, in dem du die ganze Welt umarmen könntest.
Dieser eine Moment, der dich glauben lässt, du seist unbesiegbar.
Dieser eine Moment, in dem du einen kleinen Schritt zurück ins Leben machst.
Dieser Moment, in dem du spürst, wieviel Freude da noch ist.
Dieser eine Moment, in dem du realisierst, wie wenig es braucht, um dich zum Leuchten zu bringen.
Gestern war so ein Moment.
Meine erste Skitour, mein erster Puderzuckerhang nach zwei langen Jahren.
Ein Moment, eingebettet in die Natur.
Ein Moment, umhüllt von purem Frieden.
Ein Moment, umarmt von der mächtigen Bergwelt.
Ein Moment, in Begleitung von zwei absolut wunderbaren Menschen.
Ein Moment, ein Gefühl zum konservieren.
Damit auch die «Manchmal-Momente» vorübergehen.

Pures Leben.

Ziellos

Es gibt Menschen, die feiern Ziele, die sie nicht erreicht haben. Und es gibt Menschen, die erreichen andere Ziele, als sie sich eigentlich gesteckt haben. So zum Beispiel Kolumbus. Eigentlich stach er in See, weil er einen Weg nach Indien finden wollte. Dass er am Ende seiner Reise einen neuen Kontinenten entdeckte, macht seine Geschichte zu einer besonderen. Es gibt auch Sprichworte die sagen: Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen. Denn, am Ende ist jeder Weg ein Ziel. Weil der Weg bedeutet, dass man sich bewegt. Etwas ironisch ausgedrückt könnte man auch sagen: Avantgardisten sind Leute, die nicht genau wissen wohin sie wollen aber immer als erste da sind. Continue reading