Grindelwald – Breitmaulgrinsen und Schnappatmung

Bachalpsee Grindelwald

Ich war im 2013 zum letzten Mal in Grindelwald. Damals mehr oder weniger in geschäftlicher Mission. Jetzt steht wieder ein Ausflug ins schöne Berner Oberland auf der Agenda. Zwei Tage Herzensangelegenheiten. Lieblingsfrauen und Berge. Glückspilz ich. Continue reading

Heiligkreuz – verzaubert

Es muss nicht immer die grosse Bergtour sein. Für einmal hab ich mir ein ganz anderes Draussenerlebnis ausgesucht. Heiligkreuz im Entlebuch. Ein Kraftort, der uns an diesem wunderbaren Samstag mit geballtem Charme und einladender Wärme empfängt. Wir stehen in einer Ecke der Schweiz, wie man sie in einem Bilderbuchkatalog «verträumte Orte» zeigen würde. Continue reading

Heute bin ich kein Freeclimber

Ich schau mir oft und gerne YouTube-Filme passionierter Kletterer an. Wie sie an einem Finger am Abgrund hängen und es dabei noch schaffen, in die Kamera zu grinsen. Wie sie behände und flink, einen Zug nach dem anderen, die Felswände erklimmen. Mich begeistert die Wendigkeit, die mentale Stärke, der Fokus, das unglaubliche Körpergefühl, das solche Menschen in sich tragen. Es fasziniert mich, wozu ein Mensch fähig ist, wenn er wirklich will. Grenzen setzt man sich im Kopf, heisst es… Continue reading

Geniesst du deine Gesellschaft?

Eigentlich hätte ich die letzte Woche in Norwegen verbracht. Eine Woche Skitouren in den herrlichen Fjorden der nordischen Welt. Mein Ding! Ich habe mich unendlich darauf gefreut. War es für mich so etwas wie mein Lichtleuchten nach einer herausfordernden Zeit. Eigentlich. Aus dem Lichtleuchten wurde binnen Sekunden eine kleine Mondfinsternis. Ein Vollpfosten (man verzeihe mir den Ausdruck) hat mich auf der Skipiste als Slalompfosten missbraucht und eingefädelt. Abschuss von hinten. Lädierter Knöchel, kein Norwegen für den Moment. Wieder mal über meine eigenen Pläne gestolpert. Da mich die Sehnsucht nach den Bergen und dem Licht immer wieder antreibt, mache ich mich nach jedem Unfall (oder Umfall) wieder auf und gehe meinen Weg. Schritt für Schritt. So wie man Berggipfel erklimmt.Schritt für Schritt. Auf die schönsten Gipfel gibt es keine Abkürzung. Natürlich führen auf viele Spitzen Seilbahnen. Und es gibt auch für persönliche Krisen Hilfsmittel, um schneller wieder auf die Beine zu kommen. Genau so bekommt man auch Hilfe, wenn es im Körper zwickt. Das macht auch Sinn. Aber am Ende muss ich, muss man, auch selbst wieder in die Höhe wollen. Sei es am Berg, im Seelenleben oder physisch. Ich war, bin enttäuscht und gleichzeitig etwas stolz. Wenn ich mich daran erinnere, wie sehr ich «früher» gehadert hab, wenn etwas nicht wie geplant klappte, dann bin ich heute Buddha in Reinform. Naja, zumindest manchmal.

Was mich viel mehr bewegte, war die Tatsache, ein bisschen ratlos zu sein, wenn ich daran dachte, wie ich die nächsten Tage verbringen soll. Denn, vieles was in meinem Kopf angedacht war, findet auf zwei Brettern im Schnee statt. Ging nicht. Also hiess es für mich, Alternativen zu suchen und tun, was möglich ist. Bloss was, wann und mit wem? Such ich Begleitung, gehe ich alleine? Ein Zuviel an Optionen macht das Entscheiden schwierig. Zumindest für mich. Und ich kann mit solchen Fragen meinen Kopf stundenlang beschäftigen. Spontan jemanden für irgendwas begeistern – schwierig. Volle Terminkalender sind Usus. Vielleicht schwingt aber auch die Tatsache mit, dass ich mich schwer tue damit, zu fragen? Einfach zu fragen.

So sehr ich meine gesuchte Einsamkeit schätze, so sehr hadere ich damit, wenn das Alleinsein nicht freiwillig ist. Weil ich schöne Erlebnisse einfach gerne mit Menschen teile. Natürlich hab ich meine Gedanken auch geteilt. Und die Person, die ich mit meinen abstrusen Hirnkonstruktionen beworfen habe, hatte eine simple Antwort für mich: “Warum geniesst du in der Zeit, in der du allein bist, nicht einfach deine Gesellschaft, anstatt dich einsam zu fühlen?“ Also hatte ich für meinen Urlaub plötzlich ein grosses Projekt: Yvonne in all ihren Facetten. Ich war neugierig auf die vielen Persönlichkeiten, die da auf meine Gesellschaft warteten. Neben der Tatsache, dass ich plötzlich keine Pläne mehr hatte, entstand viel Raum für alles. So auch, dass ich Zeit hatte für Begegnungen. Spontane. Ich bin auf einen Menschen getroffen, den ich mehr als zehn Jahre nicht mehr gesehen habe. Und mein Herz ist gehüpft vor Freude. An einem anderen Tag durfte ich in einem Café den Tisch mit zwei jungen Menschen teilen, die geistig behindert sind. Es war einfach erfrischend, sich mit ihnen auszutauschen. Unendlich bereichernd zu erleben, wie sie ihr Leben feiern. Mit kleinen Dingen. Für dieses Mädchen und den Jungen war es vermutlich das Highlight der letzten Monate, dass sie gemeinsam weggehen, sich in ein Lokal setzen und sich einen Café mit einer riesigen Schaumkrone und Schokoladenpulver leisten konnten. Sie erzählten mir, dass sie dafür während dreier Wochen ihr Taschengeld gespart hätten. Irgendwann sind sie aufgestanden und meinten, sie würden sich jetzt wieder auf den Weg ins Heim machen. Auf meine Frage, ob ich sie fahren soll meinten sie mit einem riesigen Lachen im Gesicht: «Nein, nein. Wir haben jede Menge Zeit und keine Pläne.» Touché.

Mein Urlaub ist vorbei. Ich hab ihn genossen. Mal war ich aktiv, mal hab ich gefaulenzt. Und bei allem war ich immer in bester Gesellschaft. Denn, manchmal sass ich mit fünf Personen gleichzeitig am Tisch, obwohl ich alleine war. Die Erkenntnis aus dieser Woche: Es ist unglaublich bereichernd, einfach wieder mal Zeit zu haben. Ohne Blick auf die Uhr, ohne Blick in den Terminkalender,  dafür mit ganz viel Blick nach Innen.

Ich bin sowas von gestern

Dass Office-Programme und Mac sich nicht innig lieben, ist mir bekannt. Dass mich mein allerliebster Compi aber bereits am Montagmorgen sehr energisch auffordert, mich für mein Officeprogramm zu registrieren, irritiert. Das Programm schnurrt seit zwei Jahren vor sich hin und hat seit der Installation nie mehr nach einem Passwort verlangt. Ich und Passwörter. Das ist in etwa die gleich grosse Liebe, wie Mac und Office. Ein notwendiges Übel, wenn man den Arbeitsalltag einigermassen effizient überstehen will. So oft wie mein Word abstürzt, so oft bin ich mit meinen PW im Kleinkrieg. Ich vergesse sie regelmässig, weil ich sie selten brauche, sie verändert hab oder weil sie in den Untiefen meines Superhirns verschwunden sind. So auch heute. Wie weiter? Ich will arbeiten. Mein Word weigert sich. Also wühl ich mich durch die Seite von Microsoft, um jemanden anzurufen, der mir weiterhelfen kann. Aber, ich kann niemanden anrufen. Weil ich auf der ganzen Seite keine Telefonnummer finde. Sondern tausend FAQs und einen Chat, in den ich mein Problem eingeben kann. Was ich flugs tue, um die Meldung zu erhalten, dass der Chat nicht besetzt sei. Meine Montagslaune fliegt mit Überschallgeschwindigkeit ins Universum. Und weil meine Nerven bei diesem Tempo nicht mithalten können, reissen sie. Ganz ehrlich, ich vermisse die alten Zeiten, als man bei unlösbaren Problemen eine Nummer wählen konnte. Und man auch prompt geholfen wurde. Wer erinnert sich an die 111? Früher haben wir uns einen Spass daraus gemacht, die netten menschlichen Telefonbeantworter mit unmöglichen Fragen zu bombardieren. Was eigentlich als Nummern-Auskunft gedacht war, wurde für uns zu einem fast kostenlosen Unterhaltungsprogramm. Und nie, wirklich nie ist einer der „Beantworter“ aus der Fassung geraten. Heute tippe ich meine Anliegen in anonyme Formulare und hoffe, dass der Chat sich rührt.

Kurze Zeit später möchte ich mich bei „meiner“ Poststelle nach etwas erkundigen. Dumm ist nur, dass ich meine Poststelle gar nicht anrufen kann sondern an eine allgemeine 0800-er gelange. Da tippe ich mich zuerst mit Kurzwahltasten durch das Menu, um am Ende zu hören: „Ich kann Ihnen Ihre Frage nicht beantworten. Da müssten Sie schon bei Ihrer persönlichen Poststelle nachfragen.“ „Ja, das würde ich gerne. Aber ich finde keine Telefonnummer.“ „Stimmt, anrufen können Sie nicht. Sie müssen persönlich vorbeigehen“. Da meine Nerven noch immer im Weltall herumschwirren können die nicht mehr reissen. Also verfalle ich in resigniertes Schweigen.

Mit Schweigen wird man manchmal auch belohnt, wenn man auf eine Antwort auf eine dringenden Anfrage wartet. Auf welchem Kanal auch immer. Manchmal habe ich da den Eindruck, dass „meine“ Wertvorstellungen nicht mehr à la mode sind. Zuverlässigkeit, Respekt, Wertschätzung, Verbindlichkeit – das schätze ich im Privaten und im Geschäftlichen. Wenn ich eine Anfrage bekomme (in welcher Form und wofür auch immer), dann beantworte ich diese, so bald es mir möglich ist. Und sei es nur mit: „Danke für die Nachricht. Ich melde mich.“ Irgendwie habe ich dummerweise aber die Erwartung, dass mein Gegenüber auch entsprechend handelt. Nur, da wartet man sich manchmal den Po wund. Ich sitz dann, warte, mache mir meine Gedanken. Versuche, das Schweigen nicht irgendwie zu interpretieren. (Ich bin eine Frau und für mich ist das ziemlich schwierig.) Nach ein, zwei, drei Wochen hornhautsitzen wage ich dann, mal nachzufragen. Und bekomme zu hören, dass es erledigt sei, nicht mehr wichtig oder was auch immer. Auch das war mal anders. Oder nicht? Da sitz ich dann etwas ratlos und weiss mir auch nicht zu helfen. Also wähl ich auf meinem Handy die Taste Nummer drei für „haben Sie ein Anliegen anderer Art“, um mir etwas von meiner altmodischen Welt zurückzuwünschen. Ich hänge noch in der Warteschlaufe…