Ich bin raus

Blick vom Hoch GummenIch bin raus! Mit diesem Claim erobert eine Outdoormarke seit einigen Jahren den Markt. Ich bin raus! Ein Wunsch, der immer mehr Menschen befällt. Ein Virus, das um sich greift, unaufhörlich. Wunderbar! Ja, mich dünkt das wunderbar. Weil ich dieses Outdoorvirus selbst in mir trage. Dem Zauber von Naturerlebnissen verfallen bin. Meine Seele darin schaukelt, wie in einer Wiege und mein Herz zur Ruhe kommt.   Continue reading

Ist dein innerer Buddha auch ein Seiltänzer?

Kennst du das? Die E-Mail ploppt auf und in der gleichen Sekunde rast das Herz in Richtung Maximalpuls. Nicht vor Freude, sondern weil dich der Inhalt aus deiner inneren Mitte bringt. Terminpläne lösen sich innerhalb von zwei Sekunden in Luft auf. Projekte fliegen dir in Lichtgeschwindigkeit um die Ohren. Vom Regisseur – zum Statisten, auch in Lichtgeschwindigkeit. Yes! Du bist Meisterin der Spontaneität, absolut! Wenn es um deine freie Zeit geht.

In deinem Arbeitsleben, da magst du Struktur. In der Zusammenarbeit mit anderen schätzt du Verlässlichkeit. Da bist du der echte Buchhalter. Warum? Weil geplante Zeitfenster für bestimmte Projekte deinen Kopf befreien. Zeitfenster, die dieser einen Welt, diesem einen Auftrag versprochen sind. Du tauchst ein und kommst erst wieder an die Oberfläche, wenn du den ganzen Grund abgegrast hast. Das der Wunsch. Die Realität sieht so aus, dass sich Zeitpläne ändern – nicht deine. Die von anderen. Alles legitim und wunderbar, sofern du darüber informiert wirst. Sitzt du da und wartest vergeblich auf was kommen sollte …

… entwickelt sich folgendes Schauspiel. Du beobachtest deinen inneren Buddha, wie er da auf dem Seil balanciert. Sich mit Müh und Not oben hält, bedenklich schwankt und … fällt. Er klammert sich mit einer Hand, schweissnass, ans Drahtseil. Mit verbissener Vehemenz. Scheisse! Die Teufel in dir drin tanzen Samba und bereiten das Fegefeuer vor. Was an Verzögerungen schlimm ist? Nüchtern betrachtet – nichts! Du kannst dich um das nächste Projekt kümmern. Bloss fällt es manchmal schwer, solche Ereignisse nüchtern zu betrachten. Du schaust sie nicht besoffen an, aber mit gewissen Gefühlen verbunden. Was jetzt? Darum bitten, in Zukunft gerne über verschobene Termine informiert zu werden? Genau! Du schreibst die Mail mit einem Druck in der Kiefermuskulatur, die wahrscheinlich jedem Charcharodom megalodon* Angst gemacht hätte. Falscher Ansatz, denkt dein Buddha. Der ist hartnäckig. Rappelt sich hoch und stellt sich aufs Seil. «Ok, das was kommen sollte, kommt nicht. Ich widme mich jetzt was anderem.» Der Tag vergeht, im Flow und mit der Gewissheit, dass du diesen Flow am nächsten Tag wieder aufgreifst, die Welle reitest. Das wäre ja gelacht! «Hier die versprochenen Unterlagen von gestern, gerne bis heute Abend zurück.» Dass deine Tagesplanung was anderes vorgesehen hat, weiss dein Gegenüber nicht … Heute, heute gewinnt der Buddha. Einatmen, ausatmen, loslassen … Ganz einfach loslassen. Geht ja! Und dann realisierst du: Deine Beckenbodenmuskulatur ist nicht mehr das, was sie einmal war … ;-)

* Der fossile Urahn des Weissen Haies, der Carcharodon megalodon, hat seine Beute mit bis zu 18,2 Tonnen Beisskraft zermalmt.

 

Darf ich dir das Tschüss anbieten?


Menschen, die nur nehmen und nie geben.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Schlechte Gewohnheiten, die an dir kleben.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Personen, für die du lediglich Zeitvertrieb bist.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Dinge mit «ich muss» auf deiner Bucketlist.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Tage gefüllt mit schwarzen Gedanken.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Dein inneres Motzen und mit dir Zanken.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Den Kampf ums letzte Kilo auf der Waage.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Sinnlose Gespräche über die Wetterlage.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Alles, was dich irgendwie zu Boden zieht.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Dein Spiegelbild, das dich missbilligend ansieht.
Darf ich dir das Tschüss anbieten?
Du darfst. Denn es ist dein Leben.
Hau rein, mach dich schmutzig, verursache Herzbeben.
Sei mal laut oder leise, wild oder zahm.
Lebe einfach drauflos, ganz ohne Scham.
Falls die dein Tschüss nicht versteht,
tritt ihr in den Arsch. Bis sie freiwillig geht.

Weihnachten

Weihnachten ist das Fest der Liebe.
So war es gedacht und so wurde es lange gemacht.
Ich erinnere mich mit Freuden daran.
An den Abend, an dem das Christkindli kam.
Die Tür zum Wohnzimmer war für uns tabu.
Wir sassen in unseren Zimmern und fanden keine Ruh.
Gespannt lauschten wir den Geräuschen dort.
Bloss nichts verpassen, zur rechten Zeit am rechten Ort.

Irgendwann klingelte ein helles Glöcklein.
Wir huschten in die Stube, auf unseren Söcklein.
Da stand er dann, der Weihnachtsbaum.
Und leuchtete, es war ein Traum.
Geschenke gab es auch bei uns daheim, na klar.
Immer waren es Dinge, nützlich und unkaputtbar.

Und jetzt, steh ich so da, beobachte das Treiben.
Sehe Kindergesichter an Schaufensterscheiben.
Dies darf es sein, das bitte auch
und dann noch was Kleines obendrauf.
Menschen rennen gehetzt durch den Tag.
Alles erledigen, besorgen, kaufen auf einen Schlag.
Der Weihachtsbaum soll gross und mächtig sein.
Die Geschenke zahlreich und sicher nicht klein.

Es geht hü und hott, vorwärts, marsch flott.
Keine Zeit für einen gemächlichen Trott.
Man ist gereizt und von Reiz überflutet.
Es blinkt und leuchtet, es funkelt und tutet.
Und dann ist es da, das Fest der Liebe und des Ruhens.
Manch einer am Arsch und ziemlich neben den Schuhen.
Heute da, morgen dort, jeden Tag an einem anderen Essen.
Warum man es tut, hat manch einer vergessen.

Ich sitze so da und beobachte das Treiben.
Mag es, in meinem kleinen Kreise zu bleiben.
Denn Weihnachtszeit ist das Fest der Liebe.
Und da wünsch ich mir, dass es immer so bliebe.
Nicht die Geschenke, der Baum im Mittelpunkt.
Ein bisschen weniger von all dem Prunk.
Und dafür wieder mehr von echter Aufmerksamkeit.
Verteilt aufs ganze Jahr und nicht nur bei einer Gelegenheit.