Grindelwald – Breitmaulgrinsen und Schnappatmung

Bachalpsee Grindelwald

Ich war im 2013 zum letzten Mal in Grindelwald. Damals mehr oder weniger in geschäftlicher Mission. Jetzt steht wieder ein Ausflug ins schöne Berner Oberland auf der Agenda. Zwei Tage Herzensangelegenheiten. Lieblingsfrauen und Berge. Glückspilz ich.

Der Eiger schmeisst sich vor dem Schlafzimmerfenster in Pose
Meine Unterkunft ist die gleiche wie im 2013. Das Hotel Lauberhorn. Ein superschönes Bed & Breakfest. Mit einem Ausblick zum Niederknien. Eiger einfach. Die Zimmer sind zweckmässig, schmuck und ohne unnötigen Schnickschnack. Das ganze Hotel ein Ausbund an liebevoller Freundlichkeit. Und spezialisiert auf Biketouren und Trailrunning. Ursprünglich wollte ich mein Bike mitnehmen. Hab mich dann aber im letzten Moment umentschieden und die Laufschuhe eingepackt. Der aufatmende Kommentar einer Freundin dazu: «Ich bin froh, dass du dein Bike zuhause lässt. Wir wissen ja, wie das beim letzten Mal in Grindelwald geendet hat.» Stimmt. Mit einem mordsmässigen Abflug über den Lenker, ein paar Quadratmetern Schürfungen und einem genähten Knie. Danke für die Erinnerung. Insofern ist es wohl sicherer, wenn ich die nächsten zwei Tage in Laufschuhen unterwegs bin.

Meine Freundin holt mich ab und wir tuckern los. Auf dem Hinweg machen wir einen kleinen Stop in Interlaken. Noch etwas müde und kaffeehungrig stolpern wir in das erstbeste Lokal vor unseren Füssen. Dass es die Jugendherberge von Interlaken ist, checken wir erst viel später. Man wähnt sich eher in einem Szenelokal, denn in einer Herberge. Fantastisch, was man da geboten bekommt. Kaffee und Gipfel für drei Franken. Wo gibt’s denn so was? Frisch gestärkt nehmen wir die letzten Kilometer unter die Räder und überfordern dann auch gleich die liebe Dame am Empfang im Lauberhorn etwas. Früh in der Zeit kann ich mein Zimmer noch nicht beziehen, was überhaupt kein Problem ist. Denn ich darf die Sauna nützen, damit ich mich in meine Laufkleider stürzen kann. Die Sonne lacht, die Berge rufen. Ich muss los. Meine Freundin entscheidet sich für die Bahn und wir beschliessen, dass wir uns bei der Station Schreckfeld treffen. Das sind für mich ein paar Höhenmeter und ein paar Kilometer.

Auf den Spuren des Eiger Ultratrails
Ich trabe los. Natürlich nicht, ohne mich erst mal zu verlaufen. Lass mich vom Schild «Terassenweg» verleiten und gerate prompt auf die falsche Spur. Das gehört bei mir irgendwie zum Programm. Ich nehms als Aufwärmeinheit und kehre zum Start zurück. Bald hab ich den Einstieg zum Wanderweg gefunden. Und es geht grad ganz schön zur Sache. Fast ein bisschen überhängend mutet es an. Die Lunge keucht, das Herz pumpt und die Beine surren. Wie ich es liebe! Szenerien, die Schnappatmung verursachen. Ich bin schockverliebt. In die Welt, in das Leben, in die Berge sowieso. Die kleinen Bauchschmetterlinge verleihen Flügel und ich erklimme Meter um Meter. Am Berg wimmelt und wuselt es. Trottibikes und dreirädrige Geschosse mit Menschen drauf flitzen den Weg hinunter. Ja, die Reihenfolge in der Wortwahl ist bewusst. Denn ich bin mir nicht sicher, wer wen lenkt. Einige Szenen sind schon fast lebensgefährlich. Einhändig gelenkt, die andere Hand am Handystick um ja jeden Augenblick der rasanten Abfahrt digital festzuhalten werden die Touristen aus Fern und Nah ordentlich durchgerüttelt. Ich frag mich, wie viele Unfälle wohl passieren und bin heilfroh, dass ich selbst nicht zur Zielscheibe der Fahrzombies werde.

Bald schon stolpere ich ins Restaurant bei der Station Schreckfeld. «Wenn Sie das Lokal betreten, besteht die Möglichkeit, dass Sie gefilmt werden. Wir zeichnen für Mini Beiz, dini Beiz auf», werd ich gleich am Eingang gewarnt. Mir wurscht, ich hab Durst und meine Freundin erwartet mich. Ein paar Deziliter Flüssigkeit später geht’s auf den Heimweg. Huere steil kommt mir der Weg auf einmal vor. Ich wundere mich, dass ich da hochgetrabt bin. Und weiss gleichzeitig, dass ein fetter Muskelkater auf mich wartet.
Gemütliche Wanderung zum Bachalpsee
Ich und meine Beine sind froh, dass der Tag zwei relativ gemächlich wird. Eine hübsche Wanderung zum Bachalpsee, wir und gefühlte hunderttausend Andere. Egal, die Szenerie ist auch da gewaltig. Und der See schlummert verträumt eingebettet in saftigen Wiesen und Weiden. Nach einer kurzen Z’Mittagrast machen wir uns an den Heimweg. Den Bachalpsee immer rechts von uns gelangen wir über einen hübschen, bunt beblumten Wanderweg zum Wildspitz. Da «seile» ich mich von meiner Frauentruppe ab. Sie bleiben noch ein paar Tage. Für mich heisst es zurück in die Heimat. Ich hechte ins Tal, um meinen Zug zu erwischen. Müde, glücklich und vollgetankt mit Sonne satt setz ich mich ins Waggon und geniesse die rund dreistündige Heimreise. In meinem Kopf purzeln bereits ein paar Ideen fürs nächste Jahr durcheinander. Vielleicht lauf ich den Eiger UltraTrail im 2018 (die Panoramastrecke misst 51km) oder fahr beim Eigerbike mit. Vielleicht fahr ich auch einfach so wieder nach Grindelwald. Und geniesse die Aussicht zum Niederknien still und leise für mich alleine.

 

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