Das wichtigste am Training ist die Erholung – auch fürs Hirn?

Er steht vor mir, dieser riesen Berg. Nein, viel mehr liegt er als Brocken auf meinem Pult, bereit zum Verzehr. Die Portion macht mir Bauchweh und ich habe noch keinen Plan, wie mein Verdauungsapparat damit klarkommen würde.

Tausend Alarmglocken bimmeln in meinem Hirn und warnen mich davor: «Übernimm dich ja nicht. Sei achtsam!» Bereits zwei schlaflose Nächte hintereinander versetzen mich in Halbachtstellung und zünden den Notfallmodus. Mir wird bewusst, dass ich mich seit meinem Burnout im 2010 unbewusst in eine Schonhaltung begeben habe. Schonhaltung im Sinne von: Ich schütze mich vor Aufgaben, die mich allenfalls sehr fordern könnten. Bewusst und unbewusst. Zwei ständige Begleiter in unser aller Leben.

Jetzt hab ich mich also bewusst unbewusst in ein Projekt geschubst, das mir einiges abverlangt. Vom Umfang her, fachlich und zeitlich. Parallelen zu der Situation, als ich ins Burnout gestolpert bin, flitzen in mein Hirn. Wie Platzhirsche nehmen sie ihren Raum ein und machen mir das Leben schwer. Es ist gut, richtig und wichtig, dass diese Warnblinker in meinem Leben sind. Die Frage ist nur, wie weit ich mich von ihnen leiten und beherrschen lasse. Nehme ich sie als wichtige Weggefährten wahr, die mich zu Achtsamkeit zwingen. Oder lasse ich zu, dass sie mich blockieren und an Wachstum hindern? Ich entscheide mich für die erste Variante und laufe los. Nicht, ohne mich unterwegs unzählige Male zu fragen, warum ich mir das antue und mich diesen Strapazen aussetze.

Das Projekt wird auf dem Weg nicht einfacher. Im Gegenteil. Da gesellen sich Umstände dazu, die ich so nicht voraussehen konnte. Situationen verändern sich. Die Wetterlage wechselt ähnlich schnell, wie das auch in den Bergen der Fall sein kann. Ja, ich komme nicht umher, den Vergleich mit den Bergen zu machen. Denn auch da bin ich hin und wieder ausserhalb meiner Komfortzone unterwegs. Doch da habe ich dieses unglaubliche Urvertrauen, dass ich mein Ziel erreiche. Diese Ruhe in mir drin, die auftaucht, je stärker der Sturm im Aussen ist. Darauf besinne ich mich jetzt, als ich, schon halb in die Knie gezwungen, an meinem Schreibtisch sitze. Es gelingt mit einem Mal dieses Urvertrauen auch in meinen Alltag zu integrieren. Rücken aufrecht, Kopf gerade, das Ziel im Fokus und drauflos. Schritt für Schritt, achtsam und mit Bedacht. Tage vergehen, Wochen ziehen vorbei. Buchstabe um Buchstabe nähere ich mich meinem Ziel. Hin und wieder mit einer Zusatzschlaufe versehen. Nach zwei Monaten intensiver Schreibzeit und vielen spannenden Gesprächen ist das Werk vollbracht, die Arbeit abgesegnet. Ich spüre, wie die Last von den Schultern sinkt. Als ob ich mir nach einer langen Tour einen unglaublich schweren Rucksack abstreifen würde.

Einen Rucksack, aus dem ich mich unterwegs ernährt habe. Und einen Rucksack, den ich gleichzeitig mit vielen wertvollen Erfahrungen wieder gefüllt habe. Jetzt steht er da. In der Ecke. Und wartet auf seinen nächsten Einsatz. Zu welchem Gipfel auch immer mich mein Weg führen wird. Ich weiss, dass ich bereit bin, wieder loszuziehen. Aber jetzt ist erst mal Ruhe angesagt. Denn, das wichtigste nach dem Training ist die Erhloung. So erzielt man die besten Trainingsfortschritte. Das weiss ich aus meinen Zeiten als ambitionierte Hobbysportlerin. Und ich bin gespannt, ob das für mein Hirn auch funktioniert …

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