Er … warten

Manchmal, da erweist man Menschen einen Dienst, tut ihnen einen Gefallen. Unterstützt sie in einer schwierigen Situation oder öffnet Tür und Tor für lukrative Geschäfte. Das tut man, weil man will. Sei es im Privaten oder im Beruflichen. Ich gehör auch zu den Menschen, die unglaublich gerne Türen öffnen. Und ungeheuer gerne geben. Diese Weltretter-Mentalität hockt irgendwie in meinen Genen. Dabei bin ich weder berechnend noch tue ich etwas, weil ich eine Gegenleistung dafür erwarte. Sondern schlicht und einfach, weil ich will. Eigentlich …

Und genau da liegt der Hund begraben. In diesem Eigentlich. Denn hin und wieder stelle ich verwundert fest, dass das kleine Erwartungsgefühl dann doch an meine Schädeldecke pocht. «Du hast doch damals so viel getan, so viel investiert. Was ist der Dank dafür? Du hast diese Person in dieser und jener Situation unterstützt. Was hast du davon? Dem hast du die Tür zu einem grossen Deal geöffnet. Wäre schön, wenn von gleicher Stelle auch mal etwas zurückkommen würde. So von wegen Dankbarkeit und so.» So giftet und mault die kleine, fiese Egostimme in meinem Kopf, kringelt sich und haut mit wütenden Fäustchen auf den Boden. Und versaut mir den Tag. Nein, ich lass mir den Tag versauen. Ich lass zu, dass ich dieser Stimme überhaupt zuhöre. Schlimmer noch: Ich höre ihr nicht nur zu. Ich diskutiere mit ihr. Denn, da kommt die andere, die liebevolle Seite. Sie appelliert an mein Herz. «Komm, sei jetzt nicht so. Du hast das freiwillig gemacht. Du könntest ja einfach nein sagen. Noch besser: Das was du weitergibst, für dich selbst beanspruchen.» Könnte ich. Tue ich aber nicht. Weil ich einfach paradiesisch gerne Freude bereite und unterstütze. Wer gibt, dem wird gegeben. Heisst es. Und das stimmt. Die Frage ist nur, ob man es auch realisiert. Ich bin reich beschenkt. Unzählige Menschen, die es unglaublich gut mit mir meinen, säumen meinen Weg. Menschen, die sich um mein Wohlergehen sorgen und mir schon viele Türen geöffnet haben. Menschen, mit denen ich wunderbar palavern, arbeiten, ideenspinnend kichern, giggeln und blödeln kann. Der Punkt ist der: Das Ding mit dem Karma folgt eigenen Gesetzmässigkeiten. Wer etwas erwartet, der wartet. Gutes kommt nicht zwingend von da zurück, wo man Gutes verteilt hat und vielleicht eine Geste erwartet. Sondern oft aus einer Ecke, in die man zu dem Zeitpunkt gar nicht geblickt hat – zu sehr auf die andere Richtung fixiert.

So auch an diesem einen Tag, vor kurzem. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Die Frage nach: «Warum, wieso nicht oder wann bekomme ich endlich die versprochenen Antworten», beschäftigen mich. Ich bin so darauf fokussiert, dass die Spirale langsam abwärts dreht. Bevor ich ganz in dunklen Grübeleien versinke und mich zu den Mehlwürmern geselle, klingelt das Telefon: «Hei, ich hab dich da ins Spiel gebracht. Können wir das zusammen anschauen?» Ich bin vollkommen perplex, dass ausgerechnet (und schon wieder) von dieser Seite ein so wunderbarer Impuls kommt. Denn, in diese Ecke hab ich schon länger nicht mehr geblickt. Mein Herz blubbert vor Freude und ich fühl mich federleicht. Danke für die Lektion! Das Smartphone hat diese wunderbare Fotofunktion: Panoramabild – eine Rundumsicht. Die Bildeinstellung ist auch im Leben empfehlenswert.

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