Ich bin sowas von gestern

Dass Office-Programme und Mac sich nicht innig lieben, ist mir bekannt. Dass mich mein allerliebster Compi aber bereits am Montagmorgen sehr energisch auffordert, mich für mein Officeprogramm zu registrieren, irritiert. Das Programm schnurrt seit zwei Jahren vor sich hin und hat seit der Installation nie mehr nach einem Passwort verlangt. Ich und Passwörter. Das ist in etwa die gleich grosse Liebe, wie Mac und Office. Ein notwendiges Übel, wenn man den Arbeitsalltag einigermassen effizient überstehen will. So oft wie mein Word abstürzt, so oft bin ich mit meinen PW im Kleinkrieg. Ich vergesse sie regelmässig, weil ich sie selten brauche, sie verändert hab oder weil sie in den Untiefen meines Superhirns verschwunden sind. So auch heute. Wie weiter? Ich will arbeiten. Mein Word weigert sich. Also wühl ich mich durch die Seite von Microsoft, um jemanden anzurufen, der mir weiterhelfen kann. Aber, ich kann niemanden anrufen. Weil ich auf der ganzen Seite keine Telefonnummer finde. Sondern tausend FAQs und einen Chat, in den ich mein Problem eingeben kann. Was ich flugs tue, um die Meldung zu erhalten, dass der Chat nicht besetzt sei. Meine Montagslaune fliegt mit Überschallgeschwindigkeit ins Universum. Und weil meine Nerven bei diesem Tempo nicht mithalten können, reissen sie. Ganz ehrlich, ich vermisse die alten Zeiten, als man bei unlösbaren Problemen eine Nummer wählen konnte. Und man auch prompt geholfen wurde. Wer erinnert sich an die 111? Früher haben wir uns einen Spass daraus gemacht, die netten menschlichen Telefonbeantworter mit unmöglichen Fragen zu bombardieren. Was eigentlich als Nummern-Auskunft gedacht war, wurde für uns zu einem fast kostenlosen Unterhaltungsprogramm. Und nie, wirklich nie ist einer der „Beantworter“ aus der Fassung geraten. Heute tippe ich meine Anliegen in anonyme Formulare und hoffe, dass der Chat sich rührt.

Kurze Zeit später möchte ich mich bei „meiner“ Poststelle nach etwas erkundigen. Dumm ist nur, dass ich meine Poststelle gar nicht anrufen kann sondern an eine allgemeine 0800-er gelange. Da tippe ich mich zuerst mit Kurzwahltasten durch das Menu, um am Ende zu hören: „Ich kann Ihnen Ihre Frage nicht beantworten. Da müssten Sie schon bei Ihrer persönlichen Poststelle nachfragen.“ „Ja, das würde ich gerne. Aber ich finde keine Telefonnummer.“ „Stimmt, anrufen können Sie nicht. Sie müssen persönlich vorbeigehen“. Da meine Nerven noch immer im Weltall herumschwirren können die nicht mehr reissen. Also verfalle ich in resigniertes Schweigen.

Mit Schweigen wird man manchmal auch belohnt, wenn man auf eine Antwort auf eine dringenden Anfrage wartet. Auf welchem Kanal auch immer. Manchmal habe ich da den Eindruck, dass „meine“ Wertvorstellungen nicht mehr à la mode sind. Zuverlässigkeit, Respekt, Wertschätzung, Verbindlichkeit – das schätze ich im Privaten und im Geschäftlichen. Wenn ich eine Anfrage bekomme (in welcher Form und wofür auch immer), dann beantworte ich diese, so bald es mir möglich ist. Und sei es nur mit: „Danke für die Nachricht. Ich melde mich.“ Irgendwie habe ich dummerweise aber die Erwartung, dass mein Gegenüber auch entsprechend handelt. Nur, da wartet man sich manchmal den Po wund. Ich sitz dann, warte, mache mir meine Gedanken. Versuche, das Schweigen nicht irgendwie zu interpretieren. (Ich bin eine Frau und für mich ist das ziemlich schwierig.) Nach ein, zwei, drei Wochen hornhautsitzen wage ich dann, mal nachzufragen. Und bekomme zu hören, dass es erledigt sei, nicht mehr wichtig oder was auch immer. Auch das war mal anders. Oder nicht? Da sitz ich dann etwas ratlos und weiss mir auch nicht zu helfen. Also wähl ich auf meinem Handy die Taste Nummer drei für „haben Sie ein Anliegen anderer Art“, um mir etwas von meiner altmodischen Welt zurückzuwünschen. Ich hänge noch in der Warteschlaufe…

2 thoughts on “Ich bin sowas von gestern

  1. Liebe Yvonne, kann Dir sehr gut nachfühlen. Alle Deine geschilderten Probleme erleben wir beinahe täglich und die Laune wird nicht besser. Aber wenigstens scheint heute die Sonne und ich kann vom Skifahren träumen. Hebs guet

  2. Lieber René, als Probleme würde ich sie nicht bezeichnen. Kleine Ärgernisse, die mich zum Nachdenken bringen. Und dich scheinbar auch. Dann geniessen wir doch den Tag mit der Sonne im Gesicht.

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