Hallo Welt!

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Mit offenen Augen und Ohren durchs Leben wandern. Kleine Dinge sehen. Wahrnehmen. Und daraus Alltagsgeschichten formen. Manchmal frei erfunden. Hin und wieder selbst erlebt. Viel Spass beim Schmökern und Zeit vergessen.

Heute bin ich kein Freeclimber

Ich schau mir oft und gerne YouTube-Filme passionierter Kletterer an. Wie sie an einem Finger am Abgrund hängen und es dabei noch schaffen, in die Kamera zu grinsen. Wie sie behände und flink, einen Zug nach dem anderen, die Felswände erklimmen. Mich begeistert die Wendigkeit, die mentale Stärke, der Fokus, das unglaubliche Körpergefühl, das solche Menschen in sich tragen. Es fasziniert mich, wozu ein Mensch fähig ist, wenn er wirklich will. Grenzen setzt man sich im Kopf, heisst es… Continue reading

Wetterwechsel

Eine Dame in meinem Alter. Die Haare etwas zu sehr blondiert. Die dunklen Augenbrauen stehen wie Gewitterwolken über ihren warmen braunen Augen. Der Lippenstift harmoniert mit der Farbe ihrer knallpinken Arbeitsbluse und macht das Barbie-Klischee perfekt. Noch bevor ich meine Füsse und schweissnassen Hände richtig auf dem Zahnarztstuhl drapiert habe, ist mein Urteil beschlossene Sache. Ich lese den Namen auf dem Schild und höre das leicht akzentuierte Deutsch – und meine ach so grossherzige Gesinnung verschwindet im Dickicht der Instrumente, die da bedrohlich auf ihren Einsatz warten. Continue reading

Jeder Schritt führt vorwärts

Schweden liegt einen Monat zurück. Noch immer flimmern die Bilder in meinem Kopfkino über die Leinwand. Es war zu schön. Drei Tage, in denen mich unzählige Gefühle besucht haben. Mal war es pures Glück, dann wieder schiere Verzweiflung. Gefolgt von einem Nervenspannen, das mich fast zerrissen hat. Doch, das grösste aller Gefühle, das ich an der Westküste Schwedens erlebt habe, war Dankbarkeit. Endlose, unfassbare, grossartige Dankbarkeit.

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Unterwegs

Unterwegs – das bin ich gerne. Mein erster Gedanke heute in der Früh. Ich sitz da, schlürfe meinen Kaffee und frage mich, warum wir «unterwegs» sagen. Müsste es nicht «überwegs» heissen oder «aufwegs». Denn, unter gehen wir selten bis gar nie. Obwohl es sich vielleicht hin und wieder so anfühlt als ob… Am Ende des Tages gehen wir auf dem Weg oder über den Weg. Unter den Weg schaffen es Menschen, die unter Tag arbeiten – im Kohlewerk, in einer Miene, im Tunnelbau.

Wie komm ich überhaupt dazu, gleich nach dem Aufstehen gedanklich bereits wieder unterwegs zu sein. Die Antwort ist simpel. Man hat mich auf den Namen meines Blogs angesprochen. «Bergzicke». Und teilte mir mit, dass ich ihm, dem Blog, vielleicht einen total falschen Namen gegeben hätte… Die «Zicke» nach dem Berg verleitet zu dieser Aussage. Ich fühle mich – franchement – etwas gebauchpinselt, dass man mich nicht so wahrnimmt. Warum «Zicke»? Nun gut, zum einen nannte man die Ziege früher wirklich Zicke. Und die Vierbeiner sind geländegängig und meistens draussen unterwegs. Da sind schon Parallelen auszumachen. Zum anderen aber auch, weil ich nicht ausschliesslich gut gelaunt, freudig, humorvoll und charmant durchs Leben gehe. Ich habe meine dunklen Momente. In denen ich mich verliere, schlechte Laune habe, gereizt, rastlos und ruhelos bin. Und wenn mir dann jemand auf die Pelle rückt, dann wird auch aus mir eine Zicke. Ist das schlecht, verwerflich? Oder schlicht und einfach menschlich? Hin und wieder entgleisen mir die Gesichtszüge und auch die Worte. Dabei werde ich nicht ausfällig oder gemein. Wie sagt man so schön «C’est le ton qui fait la musique». Ich wechsle dann halt in eine disharmonische Tonlage. Eine Eigenheit, auf die ich nicht sonderlich stolz bin. Ich finde es nicht lässig, wenn ich mal wieder PMS-mässig durch die Gegend donnere. (Nein, das M ist kein Schreibfehler. Zumindest die Damen unter euch wissen, wovon ich schreibe.) Und trotzdem, gehört auch dieser Teil zu mir. Vielleicht kann man das so sehen: Die Geige allein mag für viele kein Genuss sein. Ist sie jedoch Teil eines Orchesters, wird in eine Komposition eingebettet und trägt dazu bei, dass aus einzelnen Fragmenten das Grosse Ganze wird, dann will man nicht auf ihren Klang verzichten. Soll ich aus der Zicke jetzt eine Geige machen?

Freunde

Sie lachen mit mir, hemmungslos und grundlos.
Sie können entspannt schweigen und damit mehr sagen, als Worte es manchmal vermögen.
Sie nehmen mich in den Arm und geben mir Geborgenheit.
Sie rücken mir den Kopf zurecht, wenn ich ihn verloren habe.
Sie sind kritisch, ohne mich zurechtzuweisen.
Sie geben mir einen liebevollen Arschtritt, wenn ich selber nicht vom Fleck komme.
Sie kratzen mich vom Pflaster, wenn ich geplättet am Boden liege.
Sie setzen mich Stück für Stück wieder zusammen, wenn ich mich selbst demontiert habe.
Sie hören sich tausend Mal die gleiche Story an und sind noch immer nicht gelangweilt.
Sie lachen lauthals über meine Witze, wenn sonst niemand lacht.
Sie nehmen mich einfach, so wie ich bin.
Sie akzeptieren meine Schwächen besser, als ich es manchmal kann.
Sie freuen sich über meine Erfolge nachhaltiger, als es mir ab und an gelingt.
Sie reichen mir das Taschentuch, wenn ich Rotz und Wasser heule.
Sie stellen mir die richtigen Fragen, ohne mich zu hinterfragen.
Sie lachen mit mir gemeinsam über mich, ohne sich lustig zu machen.
Sie wertschätzen mich, ohne dass ich etwas dafür leisten muss.
Sie freuen sich über meine Gesellschaft, einfach weil ich ich bin.
Sie haben eine eigene Meinung und akzeptieren die Meine.
Sie führen ihr Leben und lassen mich meines leben.
Sie sind da, auch wenn ich sie manchmal wochenlang nicht sehe.
Sie akzeptieren meine Entscheidungen, auch wenn sie sie nicht verstehen.
Sie lieben mich, ohne Bedingungen zu stellen.

Ich bin unendlich dankbar, dass sie da sind. Dass sie mich begleiten.
Auf meinem Weg, mir selber mein bester Freund zu sein.

Was bleibt, wenn du gehst?

Jede Liebe die endet, ist wie ein kleiner Tod. Manche sterben diesen Tod nur einmal in ihrem Leben, weil sie entweder die eine, grosse Liebe gefunden haben – was ich für jedes Paar hoffe, das Seite an Seite lebt. Oder, weil sie zu bequem sind, um aus einem unbequemen Leben auszusteigen – was vermutlich häufiger der Fall ist, als man sich wünscht. Andere hingegen sterben mehrmals. Manchmal theatralisch, manchmal still und leise. Man sollte meinen, mit den Jahren etwas gelassener, ruhiger, abgeklärter zu werden, wenn es um Liebesdinge geht. Doch, unterm Strich bleibt das Drama das Gleiche. Man zerpflückt. Jedes. Einzelne. Detail. In Fragmente. In Millimeterarbeit.  Continue reading

Geniesst du deine Gesellschaft?

Eigentlich hätte ich die letzte Woche in Norwegen verbracht. Eine Woche Skitouren in den herrlichen Fjorden der nordischen Welt. Mein Ding! Ich habe mich unendlich darauf gefreut. War es für mich so etwas wie mein Lichtleuchten nach einer herausfordernden Zeit. Eigentlich. Aus dem Lichtleuchten wurde binnen Sekunden eine kleine Mondfinsternis. Ein Vollpfosten (man verzeihe mir den Ausdruck) hat mich auf der Skipiste als Slalompfosten missbraucht und eingefädelt. Abschuss von hinten. Lädierter Knöchel, kein Norwegen für den Moment. Wieder mal über meine eigenen Pläne gestolpert. Da mich die Sehnsucht nach den Bergen und dem Licht immer wieder antreibt, mache ich mich nach jedem Unfall (oder Umfall) wieder auf und gehe meinen Weg. Schritt für Schritt. So wie man Berggipfel erklimmt.Schritt für Schritt. Auf die schönsten Gipfel gibt es keine Abkürzung. Natürlich führen auf viele Spitzen Seilbahnen. Und es gibt auch für persönliche Krisen Hilfsmittel, um schneller wieder auf die Beine zu kommen. Genau so bekommt man auch Hilfe, wenn es im Körper zwickt. Das macht auch Sinn. Aber am Ende muss ich, muss man, auch selbst wieder in die Höhe wollen. Sei es am Berg, im Seelenleben oder physisch. Ich war, bin enttäuscht und gleichzeitig etwas stolz. Wenn ich mich daran erinnere, wie sehr ich «früher» gehadert hab, wenn etwas nicht wie geplant klappte, dann bin ich heute Buddha in Reinform. Naja, zumindest manchmal.

Was mich viel mehr bewegte, war die Tatsache, ein bisschen ratlos zu sein, wenn ich daran dachte, wie ich die nächsten Tage verbringen soll. Denn, vieles was in meinem Kopf angedacht war, findet auf zwei Brettern im Schnee statt. Ging nicht. Also hiess es für mich, Alternativen zu suchen und tun, was möglich ist. Bloss was, wann und mit wem? Such ich Begleitung, gehe ich alleine? Ein Zuviel an Optionen macht das Entscheiden schwierig. Zumindest für mich. Und ich kann mit solchen Fragen meinen Kopf stundenlang beschäftigen. Spontan jemanden für irgendwas begeistern – schwierig. Volle Terminkalender sind Usus. Vielleicht schwingt aber auch die Tatsache mit, dass ich mich schwer tue damit, zu fragen? Einfach zu fragen.

So sehr ich meine gesuchte Einsamkeit schätze, so sehr hadere ich damit, wenn das Alleinsein nicht freiwillig ist. Weil ich schöne Erlebnisse einfach gerne mit Menschen teile. Natürlich hab ich meine Gedanken auch geteilt. Und die Person, die ich mit meinen abstrusen Hirnkonstruktionen beworfen habe, hatte eine simple Antwort für mich: “Warum geniesst du in der Zeit, in der du allein bist, nicht einfach deine Gesellschaft, anstatt dich einsam zu fühlen?“ Also hatte ich für meinen Urlaub plötzlich ein grosses Projekt: Yvonne in all ihren Facetten. Ich war neugierig auf die vielen Persönlichkeiten, die da auf meine Gesellschaft warteten. Neben der Tatsache, dass ich plötzlich keine Pläne mehr hatte, entstand viel Raum für alles. So auch, dass ich Zeit hatte für Begegnungen. Spontane. Ich bin auf einen Menschen getroffen, den ich mehr als zehn Jahre nicht mehr gesehen habe. Und mein Herz ist gehüpft vor Freude. An einem anderen Tag durfte ich in einem Café den Tisch mit zwei jungen Menschen teilen, die geistig behindert sind. Es war einfach erfrischend, sich mit ihnen auszutauschen. Unendlich bereichernd zu erleben, wie sie ihr Leben feiern. Mit kleinen Dingen. Für dieses Mädchen und den Jungen war es vermutlich das Highlight der letzten Monate, dass sie gemeinsam weggehen, sich in ein Lokal setzen und sich einen Café mit einer riesigen Schaumkrone und Schokoladenpulver leisten konnten. Sie erzählten mir, dass sie dafür während dreier Wochen ihr Taschengeld gespart hätten. Irgendwann sind sie aufgestanden und meinten, sie würden sich jetzt wieder auf den Weg ins Heim machen. Auf meine Frage, ob ich sie fahren soll meinten sie mit einem riesigen Lachen im Gesicht: «Nein, nein. Wir haben jede Menge Zeit und keine Pläne.» Touché.

Mein Urlaub ist vorbei. Ich hab ihn genossen. Mal war ich aktiv, mal hab ich gefaulenzt. Und bei allem war ich immer in bester Gesellschaft. Denn, manchmal sass ich mit fünf Personen gleichzeitig am Tisch, obwohl ich alleine war. Die Erkenntnis aus dieser Woche: Es ist unglaublich bereichernd, einfach wieder mal Zeit zu haben. Ohne Blick auf die Uhr, ohne Blick in den Terminkalender,  dafür mit ganz viel Blick nach Innen.

Grosses Glück in kleinen Portionen

Manchmal schreit mein Körper nach Bewegung, die Seele braucht ein bisschen Berg aber für eine ausgewachsene Skitour ist die Zeit knapp. Dann heisst mein Rezept mit vielen schönen Nebenwirkungen Melchsee Frutt. Knapp eine Stunde Anfahrt ist es für mich bis zum Parkplatz Stöckalp. Da bekommen meine Skier Felle und ich Flügel, ganz ohne Redbull. Hoch gehe ich wahlweise über die Schlittelpiste oder über den ausgeschilderten Wanderweg – je nach Schneeverhältnissen. Das sind knapp 1000 Höhenmeter und ungefähr gleichviel gefühlte Glücksmomente. Falls man Lust hat, gehts oben noch weiter. Mit dem Vogelbüellift ein paar Meter in die Höhe schleppen lassen, nochmals anfellen und dann Richtung Abgschütz ausscheren. Und auf einmal ist man weg von Mensch und Trubel. Innerhalb von wenigen Minuten umhüllt innige Ruhe den Geist. Continue reading